Diese Proteste spielten sich in den frühen 1980er Jahren ab, als «Asyl» in der Schweiz fast über Nacht wieder zu einem prominenten Thema wurde. Den Schauplatz bildet hier der Kanton Freiburg, wo zu jener Zeit im schweizweiten Vergleich relativ viele Asylsuchende lebten.
Im Jahr zuvor, am 9. Juli 1982, hatte die WOZ berichtet, dass das Rote Kreuz in Genf und der Waadt die von ihm betreuten Asylsuchenden überwacht, zensuriert und beim für Asylentscheide zuständigen Bundesamt für Polizeiwesen denunziert hatte. Als einige Betroffene des Durchgangszentrums in Satigny an einer Pressekonferenz «auf die unhaltbaren Zustände im Lager – auch bezüglich Ernährung, Sackgeld, mangelnder Betreuung bei der Arbeits- und Wohnungssuche, unnötige Verhaltensvorschriften etc.» aufmerksam machen wollten, seien am Vorabend Zivilpolizisten aufgetaucht, «die jedem Initianten einzeln drohten, sein Asylgesuch werde abgelehnt». Am nächsten Tag wagte niemand, mit den Genfer Medienleuten zu sprechen.
In Les Sciernes dagegen fand eine Pressekonferenz statt; nur hatte dazu Direktorin Veste eingeladen, ohne die protestierenden Bewohnerinnen und Bewohner vorher zu informieren. Aus der Berichterstattung erschliesst sich nicht, ob und wie die Asylsuchenden an der Medienorientierung – über Zwischenrufe hinaus – zu Wort kamen. (Und das heisst schon etwas.) Klar ist hingegen, was Veste die Aufbegehrenden vor versammelter Presse wissen liess: «Wenn Sie sich integrieren wollen, müssen Sie diese Bedingungen akzeptieren.»